Gleichstellungsatlas der evangelischen Kirche

Umparken im Kopf


Hervorragend aufgearbeitet und schnell erfassbar dargestellt kommen die Ergebnisse des ersten kirchlichen Gleichstellungsatlasses daher. Manches ist ernüchternd – die avisierte 40 Prozent-Quote für Frauen beispielsweise, die nach den Synodenbeschlüssen von Bad Krozingen und Leipzig bereits zur Jahrtausendwende erreicht sein sollte, ist immer noch nicht durchgängig Realität, insbesondere nicht in mittleren und hohen Leitungsämtern.

Fast vorbildlich ist dagegen die EKD-Synode mit einer annähernd geschlechterausgewogenen Besetzung. Das fällt insbesondere deshalb auf, weil in den Landessynoden bis auf wenige Ausnahme Männer signifikant überrepräsentiert sind und auch, weil mit steigenden Hierarchieebenen üblicherweise der Männeranteil deutlich steigt. Das allerdings bekanntermaßen nicht nur in der evangelischen Kirche.


Der Pfarrberuf in der evangelischen Kirche ist kein Männerberuf, zeigt der Gleichstellungsatlas. Dass es hingegen bald nur noch Pfarrerinnen in der evangelischen Kirche gäbe, wie immer wieder zu hören ist, ist schlichtweg falsch. Eine von drei Pfarrpersonen ist weiblich, macht die Datenauswertung deutlich – doppelt so viele wie vor 25 Jahren. Das ist einerseits erfreulich, andererseits stellt sich angesichts der Kirchenmitgliedszahlen – der Frauenanteil in der Gesamtbevölkerung beträgt 51 Prozent, bei der Kirchenmitgliedschaft liegt er mit 55 Prozent deutlich darüber – die Frage, ob das ausreichend ist.


Der >>> Gleichstellungsatlas bietet eine solide Datenbasis, enthält sich jedoch jeglicher Handlungsempfehlungen. Die hat auch die 11. Synode auf ihrer 7. Tagung im November in Dresden nicht beschlossen. Sie plädierte jedoch dafür, den Gleichstellungsbericht dafür zu nutzen, weitere Maßnahmen zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit in den Gliedkirchen anzuregen.

Auch sollte es einen entsprechenden Bericht über die Repräsentanz von Frauen und Männern in Führungspositionen und Entscheidungsgremien der diakonische Werke und Verbände geben, so der >>> Beschluss des Kirchenparlamentes. Eine Neuauflage des kirchlichen Gleichstellungsatlasses in fünf Jahren wurde in Aussicht gestellt.

Der erste Gleichstellungsatlas der Kirche wurde erstellt vom Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie.