Nuklearkatastrophe in Japan

„Zeichen menschlicher Verantwortungslosigkeit“

Kirchen fordern Ausstieg aus der Atomenergie


Angesichts der Nuklearkatastrophe in Japan haben katholische und evangelische Kirche den Ausstieg aus der Atomkraft gefordert. „Atomkraft ist keine Energie der Zukunft“, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. „Wir müssen da so schnell wie möglich raus“, mahnte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider.

Die Menschen müssten im Umgang mit ihren Möglichkeiten und mit Technologie lernen, dass es Dimensionen gebe, „die sie vorsichtig handhaben oder von denen sie am besten ganz die Finger lassen“, betonte Schneider. Es dürfe in Deutschland keine Verlängerung der Laufzeiten geben. Schließlich gebe es abgesehen von dem technischen Risiko auch für die Lagerung von Atommüll noch keine Lösung.

Nach den Worten Schneiders beweisen zuverlässige Untersuchungen, dass der Ausstieg aus der Atomkraft machbar ist: „Falls dennoch eine Brückentechnologie zum Übergang ins regenerative Zeitalter vonnöten ist, dann gewiss nicht die Kernkraft.“ Die Katastrophe in Japan zeige, „dass wir auch mit einem Rest an Risiko nicht leben können“, betonte der Ratsvorsitzende.

Nach Einschätzung des Präses der westfälische Landeskirche, Alfred Buß, erinnert die Katastrophe 25 Jahre nach Tschernobyl „auf schreckliche Weise daran, dass die Risiken der Kernenergienutzung nicht beherrschbar“ seien. „Kernenergie ist ein Zeichen menschlicher Verantwortungslosigkeit“, erklärte er am Samstag: „Wir können keine Verantwortung für etwas übernehmen, was kein Mensch beherrscht.“ In Tschernobyl in der Ukraine ereignete sich vor 25 Jahren der bisher größte Atomunfall.

Auch der katholische Erzbischof Reinhard Marx fordert einen baldigen Ausstieg aus der Atomkraft. Die schreckliche Katastrophe in Japan führe vor Augen, dass neu darüber diskutiert werden müssen, „wo die Grenzen der menschlichen Macht liegen“, unterstrich der Münchener Theologe. „Wir brauchen neue und schnellere Ausstiegsszenarien. Die Phase, in der die Kernenergie noch als Brückentechnologie dient, sollte so kurz wie möglich sein.“

Einen "schleunigen Ausstieg" aus der Atomtechnologie hält auch der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Gerhard Wegner, für unabdingbar. Ein ethischer Grundsatz laute: „Du darfst nur solche Risiken eingehen, für die Du auch haften kannst.“ Die Nuklear-Katastrophe in Japan zeige deutlich, dass es gegen technisches und menschliches Versagen keine Versicherung gibt.

Bei jeder Technologie müsste aus ethischer Sicht das Risiko mit eingerechnet werden. Geschähe dies bei der Kernkraft, wäre der Strom aus den Atomkraftwerken schlicht unbezahlbar, sagte Wegner. Das gelte auch für die Lagerung des Atommülls: „Es ist absurd, eine Sicherheitsgarantie für eine Million Jahre abzugeben.“

Wegner zog Parallelen zur weltweiten Finanzkrise. Die Banken seien aus Profitgier viel zu große Risiken eingegangen, für die nun die Weltgemeinschaft haften müsse. (Quelle: Ev. Pressedienst, 14./16. März 2011)

 

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