Positionspapier

Geschlechtergerechte Zukunft der Pflege 

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Frauen- und Männerverbände der Evangelischen Kirche betonen gesamtgesellschaftliche Verantwortung


Der Pflegebedarf alter und auf Unterstützung angewiesener Menschen in Deutschland kann nur gesichert werden, wenn die notwendige Care-Arbeit gerecht zwischen Männern und Frauen verteilt wird. Darauf weisen der Bundesverband Evangelische Frauen in Deutschland e.V. (EFiD) und die Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (Männerarbeit der EKD) in ihrem heute veröffentlichten Positionspapier „Geschlechtergerechte Zukunft der häuslichen Pflege“ hin.

Es sei davon auszugehen, dass die Betreuung im häuslichen Bereich auch künftig der wichtigste Sektor der Versorgung älterer Menschen sein werde. „Deshalb müssen gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit pflegende Angehörige – oder andere Menschen, die Pflegeverantwortung übernehmen – Pflege und Erwerbsarbeit ohne Einkommensverluste vereinbaren können“, betont die EFiD-Vorsitzende Brunhilde Raiser. Dabei müssten alle Maßnahmen darauf zielen, die aufgrund vorherrschender Geschlechterstereotype bisher vor allem von Frauen übernommene Pflegeverantwortung gerecht zwischen den Geschlechtern zu verteilen. Notwendig sei, so Raiser weiter, ein variabler Pflegemix, bei dem Angehörige, ehrenamtlich Unterstützende, professionelle ambulante Pflegedienste und stationäre Einrichtungen eng zusammenarbeiten. Zudem müsse sich die gesellschaftliche Wertschätzung für die Übernahme längerfristiger Verantwortung im häuslichen Pflegebereich in Rentenansprüchen, Versicherungsschutz und Aufwandsentschädigungen äußern.

>>> Geschlechtergerechtigkeit in der häuslichen Pflege
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„Das Bewusstsein für die gesamtgesellschaftliche Verantwortung zur Sicherung des Pflegebedarfs muss wachsen“, unterstreicht Helmut Eiteneyer, Vorsitzender der Männerarbeit der EKD. Männerarbeit der EKD und EFiD treten dafür ein, dass diese gesamtgesellschaftliche Verantwortung für die Sicherung des Pflegebedarfs in allen relevanten Bereichen der häuslichen Pflege konkret wird und fordern eine solidarische Finanzierung der Pflegekosten unter Einbeziehung aller Einkommen. Abstriche von guter Pflege seien nicht zu akzeptieren, so Eiteneyer. Aus christlicher Sicht sei die Würde der Pflegebedürftigen wie der Pflegenden zu wahren – vor allem müssten sie dabei unterstützt werden, ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

Wünschenswert sei zudem der flächendeckende Ausbau der Pflegestützpunkte für die wohnortnahe Organisation von Beratung und Versorgung – eine Verständigung über ein bundesweit einheitliches Konzept und die Möglichkeit der Trägerschaft auch für freie Verbände der Wohlfahrtspflege vorausgesetzt. Zur Unterstützung pflegender Angehöriger fordern EFiD und Männerarbeit der EKD die gesetzliche Festschreibung von gendersensiblen Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen, unabhängig von aktueller Erziehungsverantwortung, in Form der Kostenübernahme für stationäre Maßnahmen durch die Krankenkassen. Soll ehrenamtliche Arbeit in größerem Umfang für die Sicherung der häuslichen Pflege eingesetzt werden, ist aus Sicht der kirchlichen Frauen- und Männerarbeit eine verbindliche Regelung für fachliche Qualifikation und Begleitung wie etwa in der Telefonseelsorge unabdingbar.

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