TagesImpuls 03. März 2013

 



Frauen und der Schwesternstreit

„Sisterhood is powerful – mit diesem Glaubenssatz der autonomen Frauenbewegung der 1970er/80er Jahre bin ich selbst aufgewachsen. Frauensolidarität war eine Selbstverständlichkeit. Der gemeinsame Gegner ‚das Patriarchat` war allgegenwärtig. Schwesterlichkeit erschien notwendig, um die gesetzten politischen Ziele zu erreichen. Wie steht es mit der Schwesterlichkeit heute, 30 Jahre später? Viele gesetzliche Fortschritte sind getan, aber es gibt wenig Frauensolidarität.“

Prof. Dr. Annegret Böhmer >>> Frauenmahlsrednerin in Berlin

 






 

Impuls zur Woche

Marta und Maria versöhnen

 

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Schwesternstreit statt Schwesterlichkeit ist ein Thema, das schon die Bibel kennt. Lukas berichtet davon: Eine Frau namens Marta nahm Jesus bei sich auf. Und bei ihr war ihre Schwester, die hieß Maria. Diese setzte sich zu den Füßen Jesu und hörte sein Wort. Marta aber war vom vielen Dienst beunruhigt. Sie trat herzu und sagte: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester mich allein zurücklässt, um zu dienen? Sprich mit ihr, damit sie mit mir zusammen Hand anlegt.“ Jesus antwortete und sprach zu ihr: „Marta, Marta, du sorgst dich und lärmst über die Vielheit. Eines aber ist nötig. Maria hat das gute Teil gewählt, das wird man nicht von ihr wegnehmen.“

Eine alte Geschichte, mit der Lukas seine Überlegungen zur Frage nach dem höchsten Gebot fortsetzt: „Du sollst Gott, die Lebendige, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken, und deine Nächsten wie dich selbst.“

Schwesterlichkeit scheitert nicht an mangelnder Nächstenliebe, Schwesterlichkeit scheitert an mangelnder Selbstliebe. Die Marta, die gut für sich sorgt und in einem guten Gleichgewicht von beten und arbeiten, von lieben und arbeiten ist, die Marta, die wie ihre Schwester Maria Jesus zu Füßen sitzt und das lebendige Wort in ihr Leben hinein hört, die sich nährt und im Gleichklang mit ihrem Tun ist, diese Marta handelt unabhängig von dem, was die Schwester hat und tut. Diese Marta in mir gibt auch der Haltung der Maria in mir Raum.

Ich habe beide Schwestern in mir, die Maria und die Marta. Ich bin es, die dafür sorgt, dass beide Schwestern in mir zum Zuge kommen, und ich genährt und geborgen zum Tun des Gerechten in die neue Woche schreite. Schwesterlichkeit, die Basis von Frauensolidarität, fängt in mir selbst an.

 






 

 

Frauenmahl, eine Initiative des FSBZ Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD

Unsere Tages- und Wochenimpulse finden Sie hier als Countdown zum Frauenmahl am 3. Mai 2013 auf dem 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Die >>> Autorinnen der Wochenimpulse sind in der evangelischen Frauenarbeit tätig.