TagesImpuls 12. April 2013

 



Gott in der Wüste suchen

Die Wüste , dieser für den Menschen
lebensfeindliche Ort, ist- wie ein Labor- immer wieder der
Ort der Gottesbegegnung, weil es dort keinerlei
Ersatzbefriedigung gibt, die Menschen davon abhält, dem
zu begegnen, was sie im Innersten ersehnen und nötig
haben: ein Leben, das ihrer Gottebenbildlichkeit entspricht.

Jutta Weiß >>> Frauenmahlsrednerin in Kiel

 






 

Impuls zur Woche

Gott mitten unter uns

claudiarndt photocase.com


Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe, Seitenausgang. Da steht er häufiger. Man sieht ihm an, dass er viel draußen ist. Vor ihm auf dem Boden steht aufgeklappt sein Gitarrenkoffer.


Aber nicht nur dadurch fällt er auf. Vor allem spielt er richtig gut Gitarre. Und ich finde, er hat eine ausgesprochen schöne Stimme. Jedenfalls passt sie gut zu den Rock- und Folksongs, die er singt. „Harvest“ von Neil Young zum Beispiel. Oder Peter Gabriels „Losing my Religion“. Allesamt sind es Lieder aus vergangenen Jahren, als auch er, der Straßensänger noch jung oder zumindest jünger gewesen ist.


Ich erzähle von ihm, weil er mich immer wieder von Neuem fasziniert. Weil mich erstaunt, mit welcher Leidenschaft er singt und dabei offenbar immer guter Laune ist. Ob er mit seinem Gesang so viel Geld bekommt, dass das alles eine reine Freude ist? Ich kann es mir nicht vorstellen. Ob er ahnt, was er mit seinen Liedern und vor allem, wie er sie singt, bei wie mir bewirkt? An das letzte Mal kann ich mich besonders gut erinnern: Als ich um die Ecke zum Bahnhof komme, höre ich ihn schon. Er singt „Wish you were here“ von Pink Floyd: „So, so you think you can tell“…


„So, du denkst also, du kannst Himmel und Hölle unterscheiden,
Himmelblau von Schmerz.
Kannst du ein grünes Feld von einer kalten Schiene aus Stahl unterscheiden,
ein Lächeln von einem Schleier vor dem Gesicht?
Denkst du, dass du das unterscheiden kannst?“

 

Ich kann gar nicht anders als stehen zu bleiben und zuzuhören. Dabei ist es eigentlich ein trauriges Lied. Eins, das von der Verlorenheit und Sehnsucht in einer kalten und manipulierten Welt erzählt:


„Wie wünsche ich mir, du wärst hier!
Wir sind nur zwei verlorene Seelen, die in einem Fischglas schwimmen,
die Jahr für Jahr über denselben alten Boden laufen.
Was haben wir gefunden?
Dieselben alten Ängste.“
Ich wünsche mir, du wärst hier.“:


Vielleicht ist gerade das auch sein Lied, denke ich. Und dann wundert mich fast, mit was für einer sichtlichen Freude er es singt und spielt. Mit diesem Strahlen auf seinem Gesicht. Spontan fällt mir dazu die Jahreslosung von 2012 ein – „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

 

Gott zeigt sein Gesicht auch im Gesicht dieses Sängers auf der Straße. Immer wieder wird Gott Mensch – mitten unter uns. Auch da, wo wir es vielleicht am wenigsten erwarten.


 






 

 

Frauenmahl, eine Initiative des
FSBZ Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD

Unsere Tages- und Wochenimpulse finden Sie hier als Countdown zum Frauenmahl am 3. Mai 2013 auf dem 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Die >>> Autorinnen der Wochenimpulse sind in der evangelischen Frauenarbeit tätig.