TagesImpuls 22. April 2013

 



Lebens-dienlich leben

Wie also können wir „den eiernden Globus schmieren“? Durch einen einmaligen Wandel, der auf unseren Tellern beginnt und bei unseren Kleidern nicht aufhört; der durch die Kirchen, Fakultäten, und Gemeinden und jedeN einzelne hindurch gehen muss - von einer zerstörerischen Lebensweisen zu einer lebensdienlichen Existenz.

Bärbel Wartenberg-Potter >>> Frauenmahlsrednerin in Kiel

 






 

Impuls zur Woche

Brot und Rosen

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Gastfreundschaft ist das zentrale Motiv in der Bibel, im Koran und in der Thora. Zu Gast sein oder Gäste zu empfangen ist ein großes Bedürfnis menschlichen Lebens. Und wo kann ich dieses besser erleben als beim gemeinsamen Essen – der Essenz des Lebens. Bei mir selber merke ich, dass ich mir viel zu wenig Zeit nehme, ja manchmal fast zu vergessen scheine, wie wichtig es eigentlich für mich ist mit anderen gemeinsam am Tisch zu sitzen – als Gast oder als Gastgeberin.

Wenn ich an gelebte Gastfreundschaft denke, fällt mir sofort die diakonische Basisgemeinschaft Brot & Rosen ein, bei der ich selbst schon zu Gast sein durfte. Hier finden Flüchtlinge, die keine Herberge haben, einen Platz am Tisch und ein Bett zum Schlafen, um ihr Leben in ihrer akuten Krise neu sortieren und wieder selber in die Hand nehmen zu können. Ich lade Sie ein, mit mir gemeinsam diese von Gastfreundschaft geprägte Gemeinschaft kennenzulernen.

Etwa 20 Menschen leben hier gemeinsam, mal sind es mehr, mal weniger. Die Kerngemeinschaft von sechs Erwachsenen und fünf Kindern beherbergt Freiwillige auf Zeit und Flüchtlingsgäste aus aller Welt. Manche bleiben nur ein paar Tage, andere leben hier drei, vier, ja sogar sieben Jahre, je nachdem, wie sich ihre Situation und Perspektive entwickelt.

“Wenn wir dann abends zum gemeinsamen Essen alle um den grossen Esstisch sitzen, dann ist das für mich das Spiegelbild meiner Hoffnung vom Reich Gottes, wo alle Menschen als Schwestern und Brüder am Tisch des Himmelreiches sitzen werden.“ Uta Gerstner ist Mitgründerin von Brot & Rosen, deren Mitglieder sich als Glaubensgeschwister auf dem Weg verstehen. Sie teilen die Verantwortung füreinander und für das ganze gemeinschaftlich genutzte Haus. „Wir versuchen, einfach und solidarisch zu leben. Das fällt uns nicht sehr schwer, denn der gesellschaftliche Überfluss schwappt auch in unser Haus und wir bekommen vieles geschenkt.“

Gastfreundschaft zu leben bedeutet sowohl die eigenen Grenzen in Frage stellen zu lassen wie sie zu akzeptieren: Denn natürlich gibt es auch Begegnungen, die nicht so angenehm verlaufen. Und wenn es schwierig wird, dann kostet es auch mehr Mühe, sich weiter für die andere Person zu öffnen. Beide Erfahrungen gehören zu einem Leben im Haus der Gastfreundschaft dazu mit den bald 200 Menschen aus über 40 Ländern.

„Eine der schönsten Erfahrungen ist es, wenn wir bei uns selber zu Gästen werden“, erzählt mir Uta Gerstner. „Mit uns lebte zum Beispiel eine kurdische Familie, die sehr bald schon zu MitbewohnerInnen geworden war: Zum Geburtstagsfest ihrer Kinder oder auch zum Totengedenken an die verstorbenen Grosseltern haben sie uns eingeladen als ihre Gäste. Da wurden nun wir von ihnen als den GastgeberInnen mit herzlichen Worten empfangen und leckersten Speisen bewirtet.“

Mit solchen Erfahrungen können unsere scheinbar festgelegten äusseren Rollen ins Fliessen kommen und wir begegnen uns als die, die wir sind – als Menschen, die beides im Leben brauchen: Brot und Rosen.


 






 

 

Frauenmahl, eine Initiative des
FSBZ Frauenstudien- und -bildungszentrum in der EKD

Unsere Tages- und Wochenimpulse finden Sie hier als Countdown zum Frauenmahl am 3. Mai 2013 auf dem 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag. Die >>> Autorinnen der Wochenimpulse sind in der evangelischen Frauenarbeit tätig.