Weltgebetstag 2012

Vielfalt und Wandel

Malaysias Frauen suchen ihren Weg


Die Einkäufe sind schnell verstaut. Shakuntala Abrams beginnt, Gemüse klein zu schneiden, Hähnchenfleisch zu braten und Reis in denelektrischen Dämpfer zu füllen. In Kürze erwartet die Teilzeit-Lehrerin Ehemann und Sohn zum Abendessen. Später werden die Männer die Küche in Ordnung bringen. Ihre Schwiegermutter findet es unmöglich, dass der Haushalt bei ihr – wie bei vielen anderen modernen Frauen in Malaysia - keine Priorität hat.

Shakuntala Abrams’ Familie stammt aus Indien und bekennt sich seit Generationen zum Christentum. Ihr Ehemann David dagegen ist der erste in seiner Familie, der getauft wurde. „Erst hab ich mich in Shakuntala verliebt und danach in Jesus“, sagt er. Gemeinsam geht Familie Abrams regelmäßig in die methodistische Kirche. Zehn Prozent der 28 Millionen Malaysier sind Christen, allerdings auf verschiedene Konfessionen verteilt, die kaum Verbindung untereinander haben.

Schwindelerregende Hochhäuser und unberührte Regenwälder, Wirtschaftswunder und rechtlose Migranten: Malaysia hat viele Gesichter. An diesem Freitag (2. März) steht das südostasiatische Land im Mittelpunkt des Weltgebetstags der Frauen, den Christinnen aller Konfessionen rund um den Globus begehen. „Steht auf für Gerechtigkeit“ haben die Malaysierinnen ihre Liturgie betitelt und sich besonders mit dem Propheten Habakuk und dem Lukas-Evangelium (18, 1-8) befasst.

Die indisch-stämmige und christliche Familie Abrams zählt gleich zweimal als Minderheit. Die malaysisch-muslimische Mehrheit der „Bumiputra“ (Söhne der Erde) genießt gesetzliche Privilegien: Sie können alle staatlichen Bildungsstätten gratis besuchen und haben wirtschaftliche Vergünstigungen. Dennoch geht es dieser Mehrheit nicht besser als den Minderheiten. Für Muslime gibt es für familiäre und private Streitfälle Scharia-Gerichte. Leise wird dies kritisiert, doch die Kritik an ungerechten Entscheidungen, vor allem gegenüber den Frauen, änderte bisher wenig. Die indisch-stämmigen Einwohner und die 30 Prozent Malaysier chinesischer Herkunft sind weltweit vernetzt und gelten als wohlhabend, auch wenn sie politisch wenig Einfluss haben. Für sie gehört ein Auslandsstudium zum guten Ton, und wer es sich irgendwie leisten kann, schickt seine Kinder vom Kindergarten an in eine Privatschule seiner ethnischen Gruppe.

Ohne die Weltoffenheit, die der Staat trotz der Widersprüche zelebriert, könnte das Land seinem Ziel, zu den Industrienationen aufzusteigen, nicht näherkommen. Dass die Bodenschätze eines Tages erschöpft und die begehrten landwirtschaftlichen Produkte - allen voran Palmöl - durch Industrie-Produkte ersetzt sein werden, hat die Regierung veranlasst, das Heil in der Technik zu suchen.

Tatsächlich ist die Computerindustrie - die Herstellung von Hardware und zunehmend auch von Software - für das Wirtschaftswachstum von jährlich vier bis fünf Prozent verantwortlich. Malaysia ist ein beliebtes Ziel für Migranten, die schmutzige und schwere Arbeit in Industrie, Land- und Bauwirtschaft für wenig Geld übernehmen. So wichtig sie für die Wirtschaft sind, so rechtlos sind sie dann, wenn sie ohne gültige Papiere im Lande sind. Wer erwischt wird, dem drohen Abschiebelager, in denen üble Verhältnisse herrschen.

Über Menschenrechtsverletzungen öffentlich zu sprechen war bisher schwierig. Kritik an den Regierungen und Unternehmen wurde unterdrückt, genauso wie religiöser Fanatismus. Doch weil der Wirtschaft der offene Zugang zu Telefonverbindungen und Internet genehmigt wurde, können sich auch Menschenrechtler, Umweltschützer und andere demokratische Kräfte die Öffentlichkeit verschaffen, um gegen Unrecht, Korruption und Amtsmissbrauch zu protestieren.

Auch von religiösen Führern wird diese Öffnung begrüßt. Und die Opposition rechnet sich gegen die seit 1957 regierende UMNO-Partei unter Premierminister Najib Razak reelle Chancen aus, wenn in den nächsten zwölf Monaten gewählt wird. Ein Termin steht noch nicht fest. (epd/Freddy Dutz)