KirchenPolitik

Bayerns Protestanten bekennen sich zu jüdischen Wurzeln


Nach langer innerkirchlicher Diskussion nimmt nun auch die bayerische Landeskirche in ihrer Verfassung ausdrücklich zum Verhältnis von Kirche und Judentum Bezug. Das Kirchenparlament verabschiedete die Verfassungsänderung mit der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit. Die evangelisch-lutherische Kirche „ist aus dem biblischen Gottesvolk Israel hervorgegangen“, heißt es nun in der Verfassung, „und bezeugt mit der Heiligen Schrift dessen bleibende Erwählung“.

Mit Bayern haben inzwischen 14 der 22 evangelischen Landeskirchen in ihren Verfassungen das Verhältnis von Kirche und Judentum neu bestimmt. Als erste Landeskirche hatte die Evangelisch-reformierte Kirche 1988 ihre Verfassung um eine Verhältnisbestimmung zu Kirche und Judentum ergänzt. Die Evangelische Kirche im Rheinland hatte bereits 1980 ein Synoden-Wort „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“ beschlossen und ergänzte 1996 ihre Kirchenordnung.

In Bayern war die Ergänzung der Verfassung jahrelang diskutiert worden. Mit ihr sollte ausgedrückt werden, dass das Verhältnis von Christen und Juden grundlegend für die Gestaltung kirchlichen Lebens sei, wie die vier kirchenleitenden Organe bei der Synodentagung in Weiden im März 2010 einstimmig erklärt hatten. Man wolle sich damit ausdrücklich von einer antijüdischen Auslegungstradition distanzieren, die lange Zeit das Denken geprägt und unheilvolle Folgen gehabt habe. (Evangelischer Pressedienst, 22. März 2012)