Magdalena von Staupitz wurde um 1485 auf dem ehemaligen Rittergut Motterwitz in der Nähe von Grimma geboren. Als Tochter einer angesehenen Familie aus niederem Adel wurde sie 1501 ins Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen aufgenommen. Dort erhielt sie entsprechend der Ordensregeln eine Ausbildung u.a. in Lesen und Schreiben und Grundkenntnissen in Latein. Sie nahm im Kloster die Aufgabe der Organistin und Kantorin wahr. In der Osternacht 1523 floh sie gemeinsam mit Katharina von Bora und sieben weiteren Nonnen aus dem Kloster. Sie lebte die nächsten Jahre wahrscheinlich als Hauslehrerin in Wittenberg. Im Jahr 1529 wurde sie als Leiterin der ersten Elementarschule für Mädchen in Grimma berufen. Später heiratete sie den Grimmaer Bürger Tiburcius Geuder. Die Ehe war kinderlos und so blieb Magdalena von Staupitz bis zu ihrem Tod 1548 Schulleiterin der Mädchenschule in Grimma.
Magdalena von Staupitz war mit Martin Luther persönlich bekannt. Ihr älterer Bruder, Johann von Staupitz, war Augustiner Generalvikar in Wittenberg und Beichtvater Luthers. Justus Jonas, der eine Kirchen- und Schulvisitation in Grimma vornahm, hat sich dafür eingesetzt, dass Magdalena von Staupitz durch ihr öffentliches Amt als Schulleiterin ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten konnte. Auch bekam sie, auf Veranlassung Martin Luthers, ein kleines Haus auf dem Augustinerkirchhof zugewiesen. Dies geschah im Andenken an ihren sehr geschätzten Bruder Johann. Darüber hinaus erhielt sie als Abfindung nach dem Klosteraustritt später noch den doppelten Betrag zurück, den ihre Familie einst für sie gezahlt hatte. Leider sind keine Schriftwechsel der Vorsteherin mit ihren Mitarbeiterinnen oder Schülerinnen bisher gefunden worden, so dass unbekannt ist, wie sie ihrer verantwortungsvollen Aufgabe konkret nachging.
Ob die beiden ehemaligen Nonnen Katharina von Bora und Magdalena von Staupitz nach ihrer gemeinsamen Flucht weiterhin in Beziehung standen, ist nicht verbrieft. Da aber beide zur gleichen Zeit sechs Jahre in Wittenberg lebten, ist dies gut möglich.
(Zum Foto: Wappen der Familie von Staupitz; Copyright Wikimedia Commons).
Fast 20 Jahre lang war Magdalena von Staupitz Schulleiterin der ersten Elementarschule für Mädchen in Grimma. Bemerkenswert ist, dass die Mädchenschule in der Stadt Grimma bis ins 19. Jahrhundert hinein ein Bildungsort für Mädchen geblieben ist, während an anderen Orten die von Luther angeregten Mädchenschulen, besonders im Dreißigjährigen Krieg, wieder aufgegeben wurden. Auch daran wird Magdalena von Staupitz durch ihre intensive und ausdauernde Arbeit indirekt mitgewirkt haben.
Ganz im Sinne der Reformation wird sie die ihr anvertrauten Mädchen erzogen haben. Hierbei war es besonders wichtig die jungen Mädchen auf ihre Aufgabe als Hausfrau und Mutter vorzubereiten. Nach Luthers ethischer Aufwertung des Ehestandes und der weltlichen Berufe wurde es auch für Mädchen und junge Frauen möglich, an ihrem Ort und ihrem Platz und in allen Ständen Gott zu dienen. Durch die Beschäftigung mit Luthers Kleinem Katechismus und der Umsetzung in den Alltag, sowie das Erlernen manueller Fähigkeiten gelang es der Schulleiterin den ihr Anvertrauten Gottesfurcht und Selbstvertrauen mit auf den Weg zu geben. Da Magdalena eine singende und Orgel spielende Nonne gewesen war, können wir davon ausgehen, dass sie viel mit ihren Schülerinnen gesungen und musiziert hat, was sicher zu einer wertvollen und nachhaltigen Erziehung im Sinne der Reformation beigetragen hat.
Leider sind keine persönlichen Aufzeichnungen, Briefe oder Unterrichtsentwürfe von Magdalena von Staupitz mehr vorhanden. Dennoch sehe ich in ihr ein Vorbild als Erzieherin und Schulleiterin, da sie das verlässliche Kloster verlässt, um sich der Lehre an jungen Mädchen zu widmen. Sie ist bereit, nicht nur für sich selbst das vertraute Kloster mit dem sich wiederholenden Alltag hinter sich zu lassen, sich auf neue, unbekannte Wege zu wagen, sondern darüber hinaus die Berufung anzunehmen und für andere ihre umfangreichen Kenntnisse weiterzugeben. Gleichzeitig lernt sie selbst im Vollzug der Reformationszeit neue Sichtweisen anzunehmen.