Die Pflege- und Gesundheitswissenschaftlerin Maren Heiming gehört der Sarepta-Schwesternschaft an – und setzt sich im EFiD-Präsidium für mehr Feminismus in der Kirche ein. | Interview: Anne Lemhöfer
Frau Heiming, Sie haben als junge Frau Pflegefachkraft in Bethel gelernt und haben heute eine Leitungsposition in der dortigen Gesundheitsschule inne. Dazu sind Sie Mitglied der Sarepta-Schwesternschaft. Erklären Sie doch mal, was das für eine besondere Gemeinschaft ist.
Gern. Wir gehören als Schwesternschaft zur Stiftung Sarepta der Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, wir sind eine Gemeinschaft von Frauen unterschiedlicher Generationen. Uns ist der Einsatz für andere Menschen und die Solidarität einer christlichen Gemeinschaft wichtig. Es gibt ein sogenanntes „Mutterhaus“, dort leben auch die „Schwestern der älteren Form“, wie wir das nennen – ihr Lebensentwurf ähnelt dem, was im Katholizismus für Nonnen üblich ist: Sie leben unverheiratet und ohne eigenes Einkommen in der Gemeinschaft, eine bewusste Entscheidung, die ich sehr respektiere. Früher war das ja ein alternatives Lebensmodell für Frauen, um einen Beruf auszuüben. Ich selbst gehöre den „Schwestern der neuen Form“ an.
Was heißt das genau?
Das heißt, dass ich nicht im Gemeinschaftshaus wohne, es aber durchaus könnte. Ich lebe mit meinem Mann und meinem Sohn zusammen und habe einen ganz normalen Arbeitsvertrag. Von meinem Gehalt fließt aber ein Teil an die Schwesternschaft. Insgesamt sind wir derzeit etwa 430 Schwestern. Seit 1996 ist die Mitgliedschaft nicht mehr an ein Lebensmodell gekoppelt, wir sind ganz unterschiedlich: verheiratet oder ledig, mit oder ohne Kinder, wir haben auch ganz unterschiedliche Berufe.
Wie kam es, dass Sie diesen doch etwas ungewöhnlichen Weg gewählt haben?
In meiner Ausbildung in Bethel habe ich mich im Kreis der Schwestern sehr wohl gefühlt. Wir haben viel über die Geschichte der Pflege gelernt und darüber gesprochen. Irgendwann habe ich gemerkt: Eigentlich ist das genau mein Ding. Ich dachte: Das könnte doch auch ein Weg für mich sein. Ich weiß noch genau: Während meines Bachelorstudiums bin ich eines Morgens aufgewacht und wusste: Heute nach Feierabend informiere ich mich mal, wie genau das geht. Und das habe ich gemacht. Ich habe dann in Begleitung meiner Mitschwestern eine anderthalbjährige Aufnahmephase durchlaufen, in der ich unter anderem diakonische Kurse absolviert habe.
Sind Gedanken der feministischen Theologie in so einer kirchlichen Gemeinschaft von Frauen besonders präsent?
Ich erlebe das schon so. Es gibt in Bethel auch einen Studiengang Feministische Theologie, den einige meiner Mitschwestern belegt haben. Ich fand das immer total spannend. Es geht bei uns immer um Fragen wie „Ist es der Gott oder doch eher die Göttin?“ Dieser Blick auf den Glauben fasziniert mich sehr. Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, als ich 2023 gefragt wurde, ob ich im Präsidium von EFiD mitarbeiten wolle. Als Delegierte des Deutschen Frauenrats war ich bei der Debatte um die Abschaffung des Paragrafen 218 dabei. Ich bin außerdem durch den Frauennotruf ausgebildete Teamerin und mache in meinem beruflichen Setting Sensibilisierungsschulungen gegen sexualisierte Gewalt.
Welche Themen im feministischen Diskurs sind für Sie im Moment die drängendsten?
Mir macht vor allem der Rollback Sorgen. Wenn ich etwa die Accounts von Tradwives auf Instagram sehe, wundere ich mich sehr. Einmal bin ich beim Scrollen auf eine Frau gestoßen, die erklärte, wie viele Jahre und Jahrzehnte der Gehirnwäsche es gebraucht habe, Frauen einzureden, dass sie für den Beruf und nicht für das häusliche Leben bestimmt sind. Aha, dachte ich, ich bin also einer Gehirnwäsche aufgesessen, interessant. Mit meiner Mutter und meiner Schwiegermutter habe ich da auch sehr spannende Diskussionen. Beide sind schon lange Feministinnen, sie waren immer viel auf Demos. „Was passiert da, wir waren doch schon längst zehn Schritte weiter!“, sagen sie, wenn sie so etwas sehen.
Der Austausch mit älteren Frauen ist Ihnen also wichtig?
Unbedingt. Die Themen liegen ja auf dem Tisch. Aber wir müssen dranbleiben und wachsam sein. Es gibt neue Medien, ein neues Wording, aber das Patriarchat ist immer noch stark. Da müssen die unterschiedlichen Generationen einfach zusammenarbeiten.
Zur Person
Maren Heiming (35) kommt aus Oerlinghausen in Westfalen und lebt inzwischen in Köln. Nach ihrem Examen als Pflegefachkraft arbeitete sie auf der internistischen Intensivstation in Bethel. Inzwischen arbeitet sie nach einem Bachelor in Anleitung und Mentorin als Gesundheitspädagogin in einer Leitungsfunktion in Bethel. Maren Heiming sitzt seit 2023 im Präsidium von EFiD. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn.