digitales EFiD-Werkstattgespräch mit
Joy Devakani Hoppe (Hamburg) aus dem EFiD-Präsidium
am Mittwoch, 2. Dezember 2026 von 18-19:30 Uhr
Der Weltgebetstag der Frauen feiert 2027 sein 100-jähriges Bestehen. Seit einem
Jahrhundert verbindet er Frauen aus unterschiedlichen Ländern, Kulturen und Kirchen
im gemeinsamen Gebet und eröffnet Begegnungsräume, in denen Glaubens- und
Lebenserfahrungen über nationale und konfessionelle Grenzen hinweg geteilt werden.
Gerade diese Vielfalt macht den Weltgebetstag zu einem besonderen Ort ökumenischen
Lernens. Zugleich wirft sie die Frage auf, wie unterschiedliche Gotteserfahrungen und
theologisches Wissen innerhalb globaler Machtverhältnisse wahrgenommen, vermittelt
und anerkannt werden.
In ihrem Impulsvortrag entwickelt die Theologin und Pastorin Joy Devakani Hoppe den
Begriff der epistemischen Gleichwürdigkeit als theologischen Schlüssel zur Reflexion
des Weltgebetstags. Im Mittelpunkt steht nicht allein die Frage, wer spricht, sondern
welche Weisen, Gott zu erkennen, von Gott zu sprechen und Glauben zu leben, als
gleichwürdig anerkannt werden. Frauen aus dem Globalen Süden und dem Globalen
Norden bringen unterschiedliche Erfahrungen mit, die durch Kolonialgeschichte, Kaste,
Rassismus, Armut, Migration, Krieg oder gesellschaftliche Privilegien geprägt sind. Diese
unterschiedlichen Erfahrungen sind nicht lediglich biografische Hintergründe, sondern
prägen ihre Theologien, ihre Spiritualität und ihr Verständnis von Gerechtigkeit.
Aus einer rassismuskritischen und ökumenischen Perspektive fragt die Referentin, wie
sich globale Ungleichheiten auch innerhalb kirchlicher Beziehungen widerspiegeln.
Warum verfügen manche Kirchen über mehr Ressourcen, Einfluss und Deutungsmacht
als andere? Wie verändert das Bewusstsein eigener Privilegien die Art und Weise, wie wir
beten, Ressourcen teilen, einander zuhören und voneinander lernen? Und wie können
unterschiedliche Gotteserfahrungen und Wissensformen einander bereichern, ohne
hierarchisiert oder vereinheitlicht zu werden?
Biblische Erzählungen über Machtverhältnisse zwischen Israel und den Völkern sowie
Geschichten von Frauen, die Ausgrenzung, Konkurrenz und Anerkennung erfahren,
bilden den theologischen Horizont des Impulsvortrags. Ziel ist es, den Weltgebetstag als
einen Raum weiterzudenken, in dem epistemische Gleichwürdigkeit eine Grundlage
für gerechtere ökumenische Beziehungen bildet und unterschiedliche theologische
Erkenntnisse als gleichwertige Beiträge zum gemeinsamen Glauben anerkannt werden.
