Titel: Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit * Buch und Regie: Gabriele Schärer * Länge: 118 Minuten * Mitwirkende: Barbara Buser, Eric Honegger * Kinostart: 29. Oktober 2026
Gesehen von den Filmfreund*innen, der Filmjury der EFiD
Radikale Akzeptanz: Barbara Buser baut mit dem, was da ist
Sie rettet Gebäude vor dem Abriss, baut sie mit wiederverwendeten Bauteilen um und macht aus Industriebrachen Orte für Menschen, in denen sie sich gerne aufhalten, leben und arbeiten. Die Baseler Architektin Barbara Buser ist eine Pionierin in Sachen Nachhaltigkeit in ihrer Branche. Gabriele Schärers Dokumentarfilm begleitet sie von den Anfängen im Sudan und in Tansania bis zu ihren vielfältigen Projekten in der Schweiz, beispielsweise der Markthalle in Basel.
Als feministisches Frauenporträt überzeugt der Film am stärksten. Buser ist eine Allrounderin: Von der Fährfrau bis zur personalverantwortlichen Projektleiterin. Sie hat es geschafft, sich in einer Männerdomäne durchzusetzen. Der Grundstein dazu wurde schon in ihrer Kindheit gelegt, denn der Griff zum Werkzeug war für sie damals bereits eine Selbstverständlichkeit. Ihre Eltern sagten nie, ein Mädchen könne das nicht. Auch in der eigenen Familie gab es selbstbewusste Frauen, an denen sie sich orientieren konnte.
Gesellschaftlich ist der Film hochaktuell. Er zeigt, dass ressourcenschonendes Bauen sich betriebswirtschaftlich trägt, ohne öffentliche Zuschüsse. Buser erzählt, dass ein Investor scheiterte an der Markthalle, weil sein Konzept weder zum Ort noch zum Gebäude passte. Buser demonstrierte, wie es anders geht. Sie sah genau hin und gestaltete Räume für Menschen, ohne Kosten und wiederverwertbare Baumaterialien aus den Augen zu verlieren. Und der Film zeigt, wie Gesellschaft und Gemeinschaft anders gedacht werden können.
Bei dem durchweg wohlwollenden Porträt kommen allerdings Grenzen ihrer Arbeit, Rückschläge und Gegenstimmen kaum vor. Auch der Brunnenbau im Sudan, ein Eingriff in eine fremde Kultur, wird nicht hinterfragt.
Filmempfehlung für:
Menschen, die sich für Nachhaltigkeit, Zukunftsgestaltung, Stadtentwicklung und Architektur interessieren, und besonders junge Frauen auf der Suche nach Vorbildern. Wer Tempo erwartet, wird sich gedulden müssen. Wer Zeit zum Weiterdenken mitbringt, wird belohnt.
