Evelyn Samwer aus dem EFiD-Präsidium bereitet den ökumenischen Frauengottesdienst des Christinnenrats für den Kirchentag mit vor – und will damit auch ein Zeichen gegen den Rechtsruck setzen. | Interview: Anne Lemhöfer
Frau Samwer, „Aufgeben ist keine Option“ – für dieses Motto haben Sie sich entschieden, als Sie im ökumenischen Vorbereitungsteam zusammengesessen haben. Wie kamen Sie darauf?
Evelyn Samwer: Es werden immer ein paar Bibelstellen vom Kirchentagskomitee vorgegeben, wir haben uns für Markus 7, Vers 24–30 entschieden. Darin geht es um eine Phönizierin, die Jesus bittet, ihrer kranken Tochter zu helfen. Erst lehnt er das ab. Doch sie bleibt dran, und schließlich willigt Jesus ein. Aufgeben ist eben keine Option. Wir dürfen uns als Frauen und Christinnen nicht entmutigen lassen. Wir müssen am Ball bleiben, auch beim entschiedenen Eintreten gegen den Rechtsruck. Darum geht es.
Welche Gruppen sind dabei?
Das ist bunt gemischt – katholische, altkatholische, evangelische Frauen lutherisch, uniert, reformiert und, was mich besonders freut: Es sind auch ganz junge Theologiestudentinnen dabei.
Manchmal werden Stimmen laut, dass Frauengottesdienste ein Relikt der Vergangenheit seien. Haben Sie diesen Eindruck auch?
Überhaupt nicht! Letztes Jahr beim Katholikentag kamen fast 600 Menschen zum ökumenischen Frauengottesdienst in den Erfurter Dom, es waren auch nicht nur Frauen. Ich habe den Eindruck, dass das Interesse der Menschen groß ist. Es gibt einfach ein riesiges Bedürfnis nach Gemeinschaft. Nicht aufgeben, das ist zusammen einfacher.
Sie selbst waren auch mal katholisch und sind dann aber in die evangelische Kirche eingetreten. Wie kam das?
Ich bin katholisch aufgewachsen und durfte nicht einmal Messdienerin werden damals. Im Studium, ich habe Erziehungswissenschaften studiert, hat es mir dann gereicht. Ich habe mich mit Frauenrechten und Gleichstellung beschäftigt und fand: Das geht gar nicht, wie die katholische Kirche damit umgeht! Bei einem Urlaub in Brasilien ist mir extrem aufgefallen, wie dort die Haltung der Amtskirche und die Armut der Menschen so gar nicht zusammenpassen. Ich bin dann in die evangelische Kirche eingetreten.
Wie sind Sie zu EFiD gekommen?
Ich bin ja anders als andere Präsidiums-Mitglieder nicht von Haus aus Theologin, sondern Erziehungswissenschaftlerin und inzwischen im Bereich Personalentwicklung und Gleichstellung tätig. Da habe ich einfach noch mal einen anderen Blick auf das Thema Gleichstellung. Die Arbeit für EFiD gehört wirklich zu meinen liebsten Tätigkeiten. Praktisch ist natürlich auch, dass ich aus der Ökumene komme – ich kenne also beide Seiten, die katholische und die evangelische.
Welche Herausforderungen bringt ein ökumenischer Gottesdienst mit sich?
Wir müssen alle unsere verschiedenen Rituale unter einen Hut bringen – ich zum Beispiel mache keine Kniebeuge, wenn ich in die Kirche einziehe, meine katholischen Schwestern aber schon. Das muss man in die Abläufe einplanen.
Freuen Sie sich auf den 1. Mai, wenn es so weit ist?
Natürlich. Ich finde es super, dass der Gottesdienst in der Innenstadt stattfindet. Das heißt, jede und jeder kann kommen, ganz unkompliziert.
Hinweis: Am 1. Mai 2025 um 11 Uhr findet der ökumenische Frauengottesdienst auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in der Basilika St. Clemens, Platz an der Basilika 1, Hannover statt. „Aufgeben ist keine Option“ lautet das Motto rund um die Bibelstelle Mk 7,24–30.
Zur Person
Evelyn Samwer (51) ist Diplom-Erziehungswissenschaftlerin und Delegierte im Landesfrauenrat Niedersachsen. Sie ist sowohl Gleichstellungsbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Braunschweig als auch zuständig für Personalentwicklung. Im Rahmen ihrer Gleichstellungstätigkeit ist sie außerdem im Präsidium der Landesarbeitsgemeinschaft Frauen- und Gleichstellungsarbeit der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen tätig. Nebenberuflich hat sie einen Lehrauftrag an der Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften – Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel im Career-Service im Bereich Schlüsselqualifikationen inne. Ehrenamtlich ist sie Lektorin der Landeskirche in Braunschweig.um liegen Ihre Schwerpunkte auf dem Themenfeldern Ökumene und Gleichstellung.
