Geschlechterbewusste Theologie

Neuer EKD-weiter Fernstudiengang


Fernstudium Theologie geschlechterbewusst – kontextuell neu denken heißt der neue EKD-weite Fernstudiengang, er entstand aus der Überarbeitung und Weiterentwicklung des Fernstudiums Feministische Theologie.  Das Fernstudium besteht aus sieben Modulen, der Fernstudiengang dauert 1 - 1,5 Jahre. Angeboten wird es zurzeit von den landeskirchlichen Mitgliedsorganisationen der Evangelischen Frauen in Deutschland, Einrichtungen der kirchlichen Erwachsenenbildung sind als Anbietende des Fernstudiums willkommen. Das Fernstudium Theologie geschlechterbewusst richtet sich an hauptberufliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich der Kirche, aber auch alle anderen Menschen, die mehr über Theologie erfahren möchten. Es bestehen keine formalen Zulassungsvoraussetzungen.





TERMINE / Fernstudium Theologie geschlechterbewusst


Oldenburg-Bremen

Juli 2015 - Mai 2017      >>> mehr Informationen


Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz/Mitteldeutschland

Januar 2016 - September 2017      >>> mehr Informationen


Schleswig-Holstein/Mecklenburg-Vorpommern

Januar 2016 - September 2017    >>> mehr Informationen


Bayern

September 2016 - Februar 2018     >>> mehr Informationen


Westfalen

September 2016 - Februar 2018    >>> mehr Informationen


Baden

November 2016 - Juni 2018    >>> mehr Informationen





Meilenstein für eine zukunftsfähige Theologie

„Geschlechterbewusste Theologie steckt noch in den Kinderschuhen“


Fernstudium Theologie geschlechterbewusst – kontextuell neu denken heißt der neue EKD-weite Fernstudiengang, der aus dem Fernstudium Feministische Theologie hervorgeht. Weshalb es zu dieser Weiterentwicklung des erfolgreichen Fernstudiums der feministischen Theologien kam und welche Chancen dieses neues Format bietet, hat sich Annika Lukas von denen erklären lassen, die das Fernstudium entwickelt haben.


Wie ist das Fernstudium entstanden?


Eske Wollrad: Als vor 15 Jahren das Fernstudium feministische Theologie entwickelt wurde, war es ein innovatives Projekt. Feministisch-theologische Inhalte, die bis dahin vor allem in wissenschaftlichen Zusammenhängen erarbeitet wurden, wurden so aufgearbeitet, dass sie Menschen mit unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen in einem Fernkurs zugänglich gemacht werden konnten. Diese Pionierinnenarbeit leisteten damals Hildburg Wegener, Evangelische Frauenarbeit in Deutschland, Herta Leistner, Frauenstudien- und –bildungszentrum der EKD, und Gesine Hefft, Bildungswerk Berlin, Brandenburg, Schlesische Oberlausitz.


Was war der Anlass, das Fernstudium Feministische Theologie zu überarbeiten?


Katharina Friebe: Feministische Theologien haben sich seit ihrem Entstehen dynamisch entwickelt. Das gilt ebenso für die geschlechterbewussten Theologien, wenn sie auch noch in den Kinderschuhen stecken. Die Neubearbeitung der Studienbriefe vollzieht nun die Entwicklung von den feministischen zu den geschlechterbewussten Theologien nach und setzt damit einen Meilenstein für eine zukunftsfähige Theologie und eine zukunftsfähige Kirche.


Was macht geschlechterbewusste Theologien aus?


Claudia Janssen: Der Begriff geschlechterbewusste Theologie beschreibt einen Perspektivenwechsel, der sich gegenwärtig abzeichnet: Menschen aller Geschlechter treten in einen Dialog über ihre jeweiligen Zugänge zu Theologie und Kirche. Diese Entwicklung ist möglich geworden, weil sich feministische Theologien in den vergangenen 30 Jahren in vieler Hinsicht weiterentwickelt und ausdifferenziert haben. Theologische Geschlechterforschung zu biblischen, historischen oder theologischen Traditionen lassen sich inzwischen nicht immer eindeutig in feministischer Theologie oder theologischer Männerforschung verorten, denn sie setzen sich mit den aktuellen Debatten um Intersektionalität, Postmoderne, Differenz und Dekonstruktion von Geschlecht in den Gender Studies auseinander. Hinzu kommt auch, dass sich neue Konzepte emanzipatorischer Männerarbeit und theologischer Männlichkeitsforschung entwickeln. Die theologische Geschlechterforschung umfasst wissenschaftliche und praxisorientierte Prozesse, sie ist eine Bewegung innerhalb von Kirche und Theologie, die international, ökumenisch und geschlechterübergreifend arbeitet.


Was vermittelt das Fernstudium inhaltlich?


Katharina Friebe: Das Fernstudium ist in sieben Studienbriefe eingeteilt. Es werden Grundlagen der geschlechterbewussten Theologien und Methoden sowie Ergebnisse geschlechterbewusster Bibelauslegungen vermittelt. Das Fernstudium bietet Einblicke in die Kirchengeschichte und zeichnet die Entwicklung geschlechterbewusster Ekklesiologien nach. Geschlechterbewusste Christologien sind genauso Inhalt wie kontextuelle Zugänge zu Gottesbildern. Es bietet Orientierung im weiten Feld der Spiritualität in Theorie und Praxis und führt darüber hinaus in die Grundlagen geschlechterbewusster Ethiken ein, die in gesellschaftlich relevanten Themenbereichen wie Bioethik, Care, Wirtschaft, Krieg und Frieden, Klimawandel und Konsum konkretisiert werden.


Wie werden die Inhalte des Fernstudiums vermittelt?


Katharina Friebe: Neben einführenden und interpretierenden Texten enthalten alle Studienbriefe zahlreiche Originaltexte. Eingefügt sind Bearbeitungsaufgaben, die die Studierenden darin unterstützen sollen, das Gelesene zu verstehen, einzuordnen und weiterzudenken. Die jeweiligen Themen werden unter aktuellen und erfahrungsnahen Fragestellungen so präsentiert, dass sie zunächst im Eigenstudium zu Hause bearbeitet, in Tutoriumsgruppen diskutiert und abschließend im Direktkurs vertieft und perspektivisch erweitert werden können.


Volker Elsenbast: In die Erarbeitung der Studienbriefe sind neueste fernstudiendidaktische Erkenntnisse und Bildungstheorien eingeflossen, so dass es zu einem intensiven Dialog zwischen den Studierenden und den Autorinnen der Studienbriefe kommt. Wegen der dynamischen Entwicklung in der Theologie und um eine Verzahnung mit der Praxis zu erreichen, wurden die Studienmaterialien während der Neubearbeitung laufend von engagierten Absolventinnen und in mehreren ausgewählten Studienkursen erprobt. Rückmeldungen dieser Praxisgruppen konnten so direkt in den Diskurs und in die Revision einfließen.


An wen richtet sich das Fernstudium?


Claudia Janssen: Das Fernstudium Theologie geschlechterbewusst ist offen für alle Interessierten. Besonders angesprochen sind berufliche und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich Kirche, aber auch alle anderen Menschen, die mehr über Theologie erfahren wollen. Es gibt keine formalen Eingangs- oder Zulassungsvoraussetzungen.


Dr. Eske Wollrad ist Geschäftsführerin der Evangelischen Frauen in Deutschland e.V. (EFiD).
Katharina Friebe ist theologische Referentin der EFiD und Projektleiterin der Entwicklung des Fernstudiums Theologie geschlechterbewusst – kontextuell neu denken.
Prof. Dr. Claudia Janssen ist Studienleiterin am Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie.
Volker Elsenbast ist Direktor des Comenius-Institutes.
Das Gespräch führte Annika Lukas, Pressestelle der EKD.

 


Das Fernstudium Theologie geschlechterbewusst – kontextuell neu denken baut auf dem Material des Fernstudiums feministische Theologie auf, das seit 2004 mit großem Erfolg in fast allen deutschen evangelischen Landeskirchen sowie in Österreich und der Schweiz angeboten wurde. Es ermöglicht allen Interessierten außerhalb der Hochschulen die Auseinandersetzung mit geschlechterbewusster Theologie.

2009 wurde die Finanzierung einer Revision des Fernstudienmaterials von der EKD bewilligt mit dem Ziel, die Inhalte und didaktischen Ansätze nach zehn Jahren zu aktualisieren und damit das Fernstudium als erfolgreiches Angebot kirchlicher Frauen- und Erwachsenenbildungsarbeit weiterzuführen. Herausgegeben wird es vom Dachverband Evangelische Frauen in Deutschland e.V. (EFiD), dem Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie und der Evangelischen Arbeitsstelle Fernstudium im Comenius Institut. Die Studienbriefe sind erhältlich über www.fernstudium-ekd.de.


 



Fernstudium Theologie geschlechterbewusst – kontextuell neu denken

Die sieben Studienbriefe


Der Studienbrief Aufbrüche Kontexte Grundlagen führt in die Grundlagen geschlechterbewusster Theologien ein: ihre Entstehung, Grundbegriffe, Grundsätze und Themenfelder.

Der Studienbrief Bibel führt in die Methoden geschlechterbewusster Bibelauslegungen und ihre wichtigsten Ergebnisse ein.

Der Studienbrief Kirche zeichnet die Entwicklungen geschlechterbewusster Ekklesiologien nach und fragt nach den biblischen Ursprüngen der Kirche. Zugleich bietet er exemplarisch Einblicke in die Kirchengeschichte.

Der Studienbrief Christus Jesus bietet verschiedene Deutungen von Jesus von Nazareth. Er zeigt, dass sich die Menschen in seiner Nachfolge als Gemeinschaft von Gleichgestellten verstanden haben. Zugleich bietet er eine Einführung in geschlechterbewusste Christologien.

Der Studienbrief Gott erforscht geschlechterbewusste Zugänge zu Gottesbildern in der Bibel und Gegenwart.

Der Studienbrief Spiritualität will Orientierung im weiten Feld der Spiritualität bieten und untersucht Ausdrucksformen feministisch-theologischer und geschlechterbewusster Spiritualität in Theorie und Praxis.

Der Studienbrief Ethik führt in die Grundlagen geschlechterbewusster Ethik ein und konkretisiert diese in den Anwendungsfeldern Bioethik und anderen gesellschaftlich relevanten Themen wie Care, Wirtschaft, Krieg und Frieden, Klimawandel und Konsum.